430.000 Euro Spendengelder für Kinderklinik zweckentfremdet. Amen.

Ach ja. Man hat es als kirchlicher Würdenträger schon schwer.

Wie schwer es ist, als kirchlicher Würdenträger musste dereinst schon Franz-Peter Tebartz-van Elst erfahren, seinerzeit Bischof von Limburg schmerzlich erfahren. Tebartz-van Elst brauchte keinen Luxus. Er ist im Januar 2012 nur Business Class zu einem Besuch sozialer Projekte nach Bangalore geflogen. Hat er jedenfalls an Eides Statt versichert. Nachdem sich herausstellte, dass das doch nicht so ganz stimmt (er war Erster Klasse geflogen) gab es einen Strafbefehl wegen falscher Versicherung an Eides statt in zwei Fällen. Nach Eingeständnis der Falschaussage musst er eine Geldauflage von 20.000 EUR zahlen.

Weil Tebartz-van Elst keinen Luxus braucht, sollte der Neubau des Bischofshauses in Limburg für 7 Millionen Euro geplant. Nach Protesten hat man im Jahr 2008 die Kostenobergrenze dann wieder immerhin auf 1,65 Mio Euro gesenkt. Im August 2012 wurden 5,5 Millionen Euro Gesamtkosten veranschlagt. Am 29. Juni 2013 bei Fertigstellung gab das Bistum Gesamtkosten von 9,85 Millionen Euro bekannt. Leider hat sich dann herausgestellt, dass es tatsächlich 31 Million Euro waren.

Tebartz-van Elst brauchte keinen Luxus. Aber eine freistehende Badewanne für 15.000 EUR muss schon drin sein. Einige andere Posten: Schreinerarbeiten für die Bischofswohnung für 350.000 Euro, Kunstwerke für 450.000 Euro, Fenster für die Privatkapelle für 100.000 Euro, ein nachträglich eingebauter Seilzug für einen Adventskranz für 50.000 Euro, ein Tisch im Konferenzraum für 25.000 Euro. Das allernötigste eben. Tebartz-van Elst wies darauf hin, dass er kein Finanz- oder Baufachmann sei und daher nur begrenzt verantwortlich, er habe aber von Anfang an auf Qualität und Nachhaltigkeit geachtet. Das leuchtet ein.

Am 21. Oktober 2013 hatte Tebartz-van Elst eine Privataudienz bei Papst Franziskus und war nach eigenen Aussagen sehr dankbar für die „sehr ermutigende Begegnung“. Am 23. Oktober erklärte der Vatikan, Tebartz-van Elst könne seinen Bischofsdienst gegenwärtig nicht ausüben. Auszeit im Kloster. Am 26. März 2014 Annahme des (wohl schon am 20.10.2013 angebotenen) Amtsverzichts durch den Papst. Tebartz-van Elst braucht keinen Luxus. Zum Glück. Bei einem Ruhestandsgehalt von nur 5600 Euro brutto muss man schon jeden Cent zweimal umdrehen.

Inzwischen ist der Mann Delegaten im Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung mit Zuständigkeit für die Katechese. Also päpstlicher Gesandter für Unterweisung bei einem Rat zur Förderung der erneuerten Evangelisierung in Ländern, in denen der christliche Glaube schon sehr lange beheimatet ist, aber durch die fortschreitende Säkularisierung an Bedeutung verloren hat. Von Tebartz-van Elst kann man sicher viel lernen und mit ihm kann man die fortschreitende Säkularisierung ganz bestimmt zurückdrängen.

Und was ist nochmal mit der Kinderklinik?

Tja. Es gibt noch ein paar andere kirchliche Würdenträger, die keinen Luxus brauchen.

Spenden in Höhe von 430.000 Euro, die für das Kinderkrankenhaus “Bambino Gesu” gedacht waren, flossen in die Renovierung der 400 Quadratmeter Penthouse-Wohnung eines Kardinals (Kardinal Tarcisio Bertone, im Ruhestand, ehemals z.B. Vorsitzender der Kardinalskommission, die die Vatikanbank beaufsichtigt).

Den Auftrag für die Renovierung erteilte der damalige Klinikchef Giuseppe Profiti (was für ein Name!) einem Bauunternehmer namens Gianantonio Bandera, der als alter Freund Kardinal Bertones gilt. Das was bestimmt billiger. Freunde machen ja schließlich Freundschaftspreise.

Und eigentlich hat die Sache mit Luxus ohnehin nichts zu tun. Die Renovierung war schließlich keine Ausgabe, sondern ein Investment, es war nämlich geplant, die renovierte Wohnung auch für Fundraising-Veranstaltungen zu nutzen, um Spenden einzuwerben. So verteidigte sich jedenfalls Ex-Klinikdirektor Profiti. Das ist zwar völlig plausibel, verurteilt wurde er aber trotzdem. Von einem vatikanischen Gericht. Zu einem Jahr Haft. Natürlich auf Bewährung.

Wer weiß, vielleicht kommen nach der Beichte ja noch ein paar Ave Marias oben drauf.

Papst Franziskus wohnt übrigens in der Nähe: im Gästehaus Sanctae Marthae in einer Zweizimmerwohnung, in der es weder Gemälde, noch Antiquitäten, keine Kronleuchter oder wertvolle Kristalle gibt.

Manche Menschen brauchen wirklich keinen Luxus.

Quellen und Artikel zum Thema:

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