Amokschütze von Las Vegas: 59 Menschen erschossen, über 500 verletzt. Trump: „Akt des absolut Bösen“. Warum er sich irrt.

Wieder einmal erschüttert der brutale Mordrausch eines Amokschützen die Vereinigten Staaten. Es handelt sich um den schlimmsten Vorfall dieser Art in der Geschichte und stellt auch den bis dahin schrecklichsten Vorfall dieser Art, den Überfall auf eine Schwulenbar in Orlando vom 12. Juni 2016 mit damals 49 Tote und 53 verletzten in den Schatten.

Der amerikanische Präsident sprach in diesem Zusammenhang von einem Akt des absolut Bösen. Er bemüht in seiner Ansprache sechsmal Gott, spricht fünfmal vom Beten und zitiert aus der Bibel.

Es handelt sich zweifellos um einen Gewaltakt, der unfassbares Leid über tausende Menschen bringen wird, denn es sind ja nicht nur die Menschen betroffen, die nun nicht mehr leben, lieben und lachen dürfen, sondern auch ihre Verwandten, denen ein geliebter Mensch entrissen wurde. Es sind nicht nur die Verletzten, von denen vielleicht einige noch sterben werden, die vielleicht bleibende physische Schäden davon getragen haben, die seelische Narben erlitten haben. Es sind auch deren Angehörige, die leiden und leiden werden. Wie ein Stein des Schmerzes, der in einen Teich geworfen wird und mit seinem Aufschlag auch einen Tsunami um sicher herum auslöst, der manche zufällig verschon und manche unbarmherzig ertränkt.
Aber ein Akt des absolut Bösen?

Was man über den Täter weiss

Nach dem, was man aktuell weiss, handelt es sich bei dem Täter um den 64-jährigen Stephen Paddock, einen unauffälligen, weißen, nicht vorbestraften, pensionierten Buchhalter, der 150 km von Las Vegas entfernt in Mesquite, Nevada lebte und der in Las Vegas regelmäßig um sehr große Geldsummen spielte.

Stephen Paddocks Vater war Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts ein als psychopatisch und suizidal eingestufter Bankräuber war, der zeitweise einer der 10 meistgesuchten Verbrecher auf einer FBI-Liste war.

Schließlich wissen wir, dass der Täter sich vor dem Zugriff der Polizei umgebracht hat.

Was bedeutet das?

Jemand der sich umbringt wähnt sich typischerweise in einer ausweglosen Lage. Der Selbstmord ist der Weg, um das Leid zu beenden – ein Ausweg. Jemand, der aus Bösartigkeit handelt, bringt sich nicht selbst um. Er beschränkt sich darauf andere umzubringen.

Ich habe keine Vorstellung, was in einem Menschen vorgehen muss, dass er andere willentlich verletzt oder gar zu tötet. Mein Erklärungsansatz ist, dass es sich um einen Psychopathen handeln muss. Wenn man die Information zum Vater kennt, kann man sich vorstellen, dass es in der Kindheit von Stephen Paddock sehr große seelische Verletzungen gegeben haben dürfte.

Wenn man weiß, dass er in Las Vegas um große Summen gespielt hat, scheint es gut möglich, dass die Tat im Zusammenhang mit einem finanziellen Desaster aufgrund der Zockerei in Las Vegas wäre, was auch gut zum ausgewählten Tatort passen würde. Das ist allerdings zum aktuellen Zeitpunkt spekulativ.

Es handelt sich also nicht einen Akt des absolut Bösen, sondern um den Akt eines gefühlt ausweglos verzweifelten Menschen, der psychopatisch gehandelt hat.

Das entschuldigt oder relativiert die Tat in keinster Weise.

Wenn aber jemand am 03.10.2017, den Mord an 59 Menschen und die Verletzung von gut 500 weiteren Menschen als Akt des absolut Bösen darstellt, dann sollte diese Person nicht unbedingt wenige Tage zuvor bei einer Rede vor der UN am 23.09.2017 mit der vollständigen Zerstörung eines Landes mit 26 Millionen Einwohnern gedroht haben. Das, was Trump Nordkorea da androhte, wäre nämlich eben das: ein Akt des absolut Bösen.

Kim Jong Un ist einer der schlimmeren Diktatoren der jüngeren Geschichte, aber die anderen 26 Millionen in Nordkorea können nichts dafür unter einem solchen Diktator zu leben.

Die Amok-Tat von Las Vegas zeigt einmal mehr, dass die USA ein Land der Waffen und der Gewalt ist. Trump hält eine Debatte über Waffengesetze für „verfrüht“. Sarah Huckabee Sanders, die Sprecherin des Weißen Hauses sagte es sein verfrüht, eine politische Diskussion zu führen, bevor man nicht alle Fakten kenne“ und das Tatmotiv ermittelt sei.

Wann hat sich Trump in der Vergangenheit je um Fakten geschert? Und wann hat er je besonnen und zurückhaltend reagiert?

Wenn eine politische Diskussion verfrüht ist, was sind dann die Trump-Tweets, mit denen dieser täglich aus der Hüfte schießt? Egal, ob er gerade den anti-rassistischen Hymnenprotest einiger NFL-Profil angreift, seinen eignen Außenminister, dem er unter er vor Millionenpublikum unter die Nase reibt, Gespräche mit Nordkorea seien Zeitverschwendung oder Provokationen wie die Bezeichnung von Kim Jong Un als „kleines Raketenmännlein“ (original: „Little Rocket Man“) – was Trump mit seinen Tweets und anderen Schnellschüssen anrichtet, seien es Rassenunruhen oder sei es gar einen Atomkrieg – es ist ihm anscheinend egal.

Wenn in den USA jährlich über 30.000 Menschen durch Schusswaffen sterben, sind das Zahlen, die man sonst nur aus Kriegsgebieten kennt.

Was könnte helfen? Ohne Schusswaffen ist es schwer durch Schusswaffen zu sterben. Ein konsequentes Waffenverkaufs- und Waffenbesitzverbot ist in den USA seit langem überfällig. Es gibt eine fanatische Waffenlobby, die Ihren Besitzstand auf Kosten von Menschenleben verteidigt – und dabei auf den 2. Zusatzartikel der Verfassung beruft. Aber einen Zusatzartikel kann man auch abschaffen oder einschränken: mit dem 18 Zusatzartikel führte die USA die Prohibition (Verbot alkoholischer Getränke mit mehr als 0.5 % Alkoholgehalt), mit dem 21. wurde sie wieder abgeschafft.

Dabei bediente man sich des Tricks, das normale Verfahren zu ändern:

Er wurde als bisher einziger Zusatzartikel nicht von den Parlamenten der Einzelstaaten, sondern von speziell zu diesem Zweck gewählten Versammlungen ratifiziert; dieses Verfahren wurde gewählt, da der Einfluss der Anti-Alkohol-Aktivisten auf viele Abgeordnete und Parteiführungen in den Einzelstaaten immer noch sehr stark war; man setzte daher (letztlich erfolgreich) auf die „schweigende Mehrheit“, deren Meinung inzwischen gegen die Prohibition umgeschlagen war.

(direkt aus dem entsprechenden Wikipedia-Post zitiert – siehe Quellenangaben unten)

Das beweist:
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Ich meine:
Manchmal ist der steinige Weg der einzige, der einen weiter bringt.

Quellen und Artikel zum Thema

  • Spiegel Online: Angriff aus dem 32. Stock
  • Spiegel Online: „Er war immer nett zu meinen Kindern“
  • Spiegel Online: USA wollen mit Nordkorea nur über US-Gefangene reden
  • FAZ: Pensionierter Buchhalter, Zocker, Massenmörder
  • FAZ: Trump hält Debatte über Waffengesetze für „verfrüht“
  • FAZ: „Akt des absolut Bösen“
  • Wikipedia: Anschlag von Orlando am 12. Juni 2016
  • The Hill: White House defends Trump tweets on North Korea
  • CNBC: Trump tweets threats to North Korea after UN speech by rogue nation’s foreign minister
  • jetzt: Anzahl der Toten durch Schusswaffen in den USA ist höher als Zahl von Kriegsopfern
  • Wikipedia: 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten
  • Wikipedia: 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten
  • Wikipedia: 21. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten
  • Ein Kommentar

    1. Gut gebrüllt, Markus. Ich werde natürlich gerne und regelmäßig deine Posts (? richtig) lesen – aber sicherlich eher selten kommentieren. Mach weiter so – auch wenn du so Leute wie Trump und solche die so denken und handeln wie er, nicht mal ansatzweise irritierst. LG Peteronkel

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