Gaulands Vogelschiss in Bildern

Auf dem Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative sagte der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland gestern: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“.

Er bekannte sich zwar zur Verantwortung Deutschlands für den Nationalsozialismus, sagte aber zugleich: „Wir haben eine ruhmreiche Geschichte – und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre.“

„Verdammt“ sind die zwölf Jahre also nicht etwa wegen 65 Millionen Toten, darunter 6 Millionen Juden, 200.000 Sinti und Roma und den 250.000 Euthanasieopfern, sondern weil sie die weißen Weste der ruhmreichen deutschen Geschichte wie ein Vogelschiss besudeln.

So ganz und gar verdammt sind die Jahre nach Gaulands Empfinden allerdings wohl doch nicht. Auf einem „Kyffhäuser-Treffen“ der AfD im September 2017 in Thüringen forderte er einen Schlussstrich unter die Zeit des Nationalsozialismus und vertrat die Ansicht, Deutsche hätten „das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“.

Hier das, was Gauland als Vogelschiss betrachtet in Bildern:

Verhaftung von Juden in Polen, September 1939

Quelle: Bundesarchiv, Bild 101I-380-0069-33

Erschießung angeblicher Partisanen durch Angehörige der Wehrmacht in der Sowjetunion, September 1941

Quelle: Bundesarchiv, Bild 101I-212-0221-06

Russland, 17.07.1941, Deportation von Juden

Rußland, Judenverfolgung
Judenfrauen werden rückbefördert
17.7.1941

Quelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F016206-0003

Birkenau, 27.05.1944, jüdische Frauen und Kinder vor Krematorium III auf dem Weg zu Krematorium II – Iboja Hoffman aus Bodrogkeresztur, ihre Tante Lena Egri, Ruth Hoffman (Ibojas Schwester), Malwin Hoffman (Iboja und Ruths Mutter), Piroska Szaz aus Tokaj (Schwester von Lena und Malwin), Piroskas Tochter und Karcsi Szaz (Piroskas Sohn)

Quelle: Yad Vashem, anonymer Urheber, möglicherweise die SS Photographen E. Hoffmann & B. Walter

Ghetto Litzmannstadt, September 1942. Deportation von Kindern in das Vernichtungslager Kulmhof

Quelle: Wikimedia Commons
(https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4d/Lodz_Ghetto_children_deportation_to_Chelmno.jpg)

Warschauer Ghetto, 1942, Mann mit verhungertem Säugling

Quelle: Wikimedia Commons
(https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Warsaw_ghetto_-_infant_corpse.jpg)

Nordhausen, 12.04.1945, Leichenreihen toter KZ-Häftlinge

Quelle: National Archives, Washington Herkunftssignatur: 111-SC-20 34 56-S

Nordhausen, 13.04.1945, Leichen verstorbener Häftlinge auf dem Gelände des Außenlagers Boelcke-Kaserne

Quelle: National Archives, Washington Herkunftssignatur: 111-SC-20 34 57-S

Konzentrationslager Mauthausen, Jugendliche auf dem Appellplatz im Lager Mauthausen, 1942

Quelle: Bundesarchiv, Sammlung KZ Mauthausen (Bild 192)

Beschilderung der Gaskammern des KZ Lublin (KZ Majdanek)

Quelle: 16.06.2013, Jolanta Dyr

Originaltitel: “Diese russischen, polnischen und niederländischen Sklavenarbeiter im KZ Buchenwald wogen bei Einlieferung 11 Monate vorher durchschnittlich 80kg und wiegen jetzt durchschnittlich 35kg. Germany, 04/16/1945.”

Quelle: Pvt. H. Miller, The National Archives

29.04.1945, Dachau: junge und alte Überlebende in Dachau jubeln den US-Truppen zu

United States Holocaust Memorial Museum, Foto #45075

1945, Auschwitz, überlebende Kinder nach der Befreiung durch die Rote Armee

Quelle: Alexander Voronzow; USHMM/Belarusian State Archive of Documentary Film and Photography

Dazu ein Gedicht von Ricara Huch (1864-1947):

Mein Herz, mein Löwe

Mein Herz, mein Löwe, hält seine Beute fest,
Sein Geliebtes fest in seinen Fängen,
Aber Gehaßtes gibt es auch,
Das er niemals entläßt
Bis zum letzten Hauch,
Was immer die Jahre verhängen.
Es gibt Namen, die beflecken
Die Lippen, die sie nennen,
Die Erde mag sie nicht decken,
Die Flamme mag sie nicht brennen.
Der Engel, gesandt, den Verbrecher
Mit der Gnade von Gott zu betauen,
Wendet sich ab voll Grauen
Und wird zum zischenden Rächer.
Und hätte Gott selbst so viel Huld,
Zu waschen die blutrote Schuld,
Bis der Schandfleck verblasste, –
Mein Herz wird hassen, was es haßte,
Mein Herz hält fest seine Beute,
Daß keiner dran künstle und deute,
Daß kein Lügner schminke das Böse,
Verfluchtes vom Fluche löse.

2 Kommentare

    1. Ja, das wäre in der Tat eine lange Auzählung. Man könnte ein Buch darüber schreiben. Aber die gibt es ja bereits.

      Dass es vor allem Bilder geworden sind und dass es diese Bilder geworden sind, hat natürlich einen Grund. Während man eine abstrakte Zahl wie 55 Millionen Tote im Grunde nicht versteht, nicht verstehen kann, ist das Bild eines einzelen oder einiger Gruppe von misshandelten, gedemütigten, verhungerten oder ermordeten Menschen verständlich und eindrücklich, wenn man nicht gänzlich abgehärtet ist.

      Ich habe aber auch irgendwann aufgehört, weil die Bilder belastend sind und ich bei der Vorbereitung des Artikels bereits deutlich mehr gesehen habe, als im Artikel erschienen ist und als mir gut tut. Mehr davon wollte ich mir nicht antun.

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