György Schwartz stiftet 18 Milliarden US Dollar für Demokratie, Menschenrechte und Pressefreiheit

György wurde 1930 in Budapest in die deutsch-jüdische Familie Schwartz geboren. Wegen der zunehmend antisemitischen Stimmung in Ungarn änderte die Familie 1936 zur Tarnung ihren Nachnamen.

Als Ungarn 1944 von den Nazis besetzt wurde, war György Soros dreizehn Jahre alt. Die Familie kaufte Dokumente, die sie als Christen auswiesen. Sein Vater Tividar rettete nicht nur seine eigene Familie, sondern half auch vielen anderen ungarischen Juden.

György Soros hat das Jahr 1944 später als die glücklichste Zeit seines Lebens bezeichnet, weil er die Gelegenheit bekam den Heldenmut seines Vaters mitzuerleben.

1947 wanderte György nach England aus, um an der London School of Ecomomics Philiosophie zu studieren. Seine Eltern blieben in Ungarn, flohen dann aber 1956, während des Ungarischen Volksaufstands in die Vereinigten Staaten.

Einer von Györgys Professoren war der österreichisch-britische Philosoph Karl Popper, der mit seinen Arbeiten zur Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, zur Sozial- und Geschichtsphilosophie, sowie zur politischen Philosophie den kritischen Rationalismus begründete.

Der kritische Rationalismus setzt sich für eine offene Gesellschaft ein und hat zum Ziel, „die kritischen Fähigkeiten des Menschen“ freizusetzen. Die Gewalt des Staates soll dabei so weit wie möglich geteilt werden, um Machtmissbrauch zu verhindern. Die Gewalt des Staates soll dabei so weit wie möglich geteilt werden, um Machtmissbrauch zu verhindern.

Poppers Vorstellung von der Offenen Gesellschaft ist eng mit der Staatsform der Demokratie verbunden, allerdings nicht verstanden als Herrschaft der Mehrheit, sondern als die Möglichkeit, die Regierung gewaltfrei abzuwählen. Nur in einer Gesellschaft, die nicht an Dogmen und starre Lebensweisen gebunden ist, besteht die Möglichkeit zu ständigen Reformen, also zu Verbesserungen durch Fehlerbeseitigung und Erwägung von Alternativen. Die Ergebnisse von Poppers Wissenschaftstheorie werden auf diese Weise politisch wirksam.

Der Nationalstaat ist in einer Offenen Gesellschaft lediglich ein momentanes Übel, das langfristig überwunden werden kann. Er soll eine ausreichende Grundversorgung sichern, vor allem aber eine egalitäre Gesellschaftsstruktur ohne die Herrschaft von „Eliten“ ermöglichen. Popper schlägt als Maxime statt der Maximierung des Glücks die bescheidenere Minimierung des Leidens vor.

Zur Finanzierung seines Studiums arbeitete George, wie György in England nun genannt wurde, unter anderem als Gepäckträger, Kellner und Souvenirverkäufer. Weil er sich für diese Tätigkeit nicht berufen fühlte, schrieb er nach Abschluß seines Studiums (1954) Bewerbungsschreiben an die Direktoren aller Handelsbanken in London. Nur zwei antworteten. Eine Bank stellte ihn schließlich ein, was auch damit zu tun haben mag, dass der Geschäftsführer der Bank ein Ungar war.

So begann eine nahezu beispiellose Karriere, zunächst als Bankangestellter, dann im Wertpapierhandel, dann als Fondsmanager.

1969 startete Soros den Double Eagle Investmentfonds mit 4 Millionen Dollar Kapital (wovon 250.000 Dollar eigenes Geld von Soros war). 1973 hatte der Fonds ein Volumen von 12 Millionen Dollar und erwirtschaftete jährliche Renditen von 20%. Soros und sein Partner Jim Rogers erhielten 20% der Performance als Gewinnbeteiligung und reinvestierten dieses Geld in den Fonds.

Bekannt wurde Soros unter anderem am 16. September 1992, dem „Schwarzen Mittwoch“, als er in der Überzeugung, das Pfund Sterling sei überbewertet, massiv gegen diese Währung wettete. Dazu tauschte er geliehene Pfund in andere europäische Währungen. Die Bank of England versuchte, durch Milliardenaufkäufe den bröckelnden Kurs des Pfunds zu stützen, was jedoch misslang. Infolgedessen musste das Vereinigte Königreich das Pfund abwerten und schied aus dem Europäischen Währungssystems (EWS) aus.

Für die britische Regierung unter Premierminister John Major bedeutete das Ereignis einen schweren Prestigeverlust. Spekulanten wie George Soros erzielten Milliardengewinne.

Die Spekulationsstrategien von Soros sind allerdings transparent, da er sie in Büchern und Vorträgen – zusammen mit Warnungen – veröffentlicht. Soros betreibt intensive Öffentlichkeitsarbeit und stellt seine offenen Spekulationen in einen politischen Zusammenhang.

So erklärt er, dass die bestehenden Rahmenbedingungen für Spekulationsgeschäfte eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung in vielen unterentwickelten Ländern gefährden und ist der Ansicht, dass die Deregulierung der Finanzmärkte aufgrund ihrer potenziellen Instabilität ein Fehler war, der die Finanzkrise ab 2007 ausgelöst hat.

Verantwortlich für diese Maßnahme sei eine „marktfundamentalistische“ Ideologie gewesen, die seit Ronald Reagan und Margaret Thatcher zu einer beherrschenden Kraft geworden sei. Diese lasse außer Acht, dass „Finanzmärkte kein Gleichgewicht anstreben“, und beruhe auf einem ähnlichen Denkfehler wie der Marxismus.

So wenig wie die Investmentlegende Warren Buffett etwas gegen höhere Steuern für Reiche hat,

Buffett stated that he only paid 19% of his income for 2006 ($48.1 million) in total federal taxes (due to their source as dividends and capital gains, although the figure excluded the taxes on that income paid by the corporations that provided it), while his employees paid 33% of theirs, despite making much less money.

“How can this be fair?” Buffett asked, regarding how little he pays in taxes compared to his employees. „How can this be right?“ He also added, „There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.“ – (Quelle: Wikipedia)

so wenig hat George Soros etwas gegen die Regluierung von Finanzmärkten.

Laut der Reichenliste des „Forbes“-Magazins beläuft sich das Vermögen von George Soros auf 23 Milliarden Dollar.

18 Milliarden stiftet er nun der von ihm 1993 gegründeten Open Society Foundation. Bis 2007 hatte Soros dieser Stiftung bereits nach Schätzung des Magazins Time bereits 6 Milliarden Dollar gespendet.

Open Society = Offene Gesellschaft. Karl Popper grüßt.

In der US-Politik hat sich Soros zweimal in Präsidentschaftswahlkämpfen engagiert. Als scharfer Kritiker von Bushs „Krieg gegen den Terror“ machte er es aber zu seinem erklärten Ziel, die Wiederwahl von Präsident George W. Bush zu verhindern.

On November 11, 2003, in an interview with The Washington Post, Soros said that removing President George W. Bush from office was the „central focus of my life“ and „a matter of life and death.“ He said he would sacrifice his entire fortune to defeat Bush „if someone guaranteed it.“ – (Quelle: Wikipedia)

When Soros was asked in 2006 about his statement in The Age of Fallibility that „the main obstacle to a stable and just world order is the United States,“ he responded that „it happens to coincide with the prevailing opinion in the world. And I think that’s rather shocking for Americans to hear. The United States sets the agenda for the world. And the rest of the world has to respond to that agenda. By declaring a ‚war on terror‘ after September 11, we set the wrong agenda for the world…. When you wage war, you inevitably create innocent victims.“ – (Quelle: Wikipedia)

Bush wurde bekanntlich trotzdem wiedergewählt.

Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 unterstütze Soros dann Hillary Clinton. Auch hier kam es anders. Wer dumm genug ist, Bush wiederzuwählen ist wohl auch dumm genug Trump zu wählen.

Soros unterstütze und unterstützt Demokratiebewegungen auf der ganzen Welt, angefangen mit der finanziellen Unterstützung politischer Dissidenten der polischen Solidarnosz, der tschechoslowakischen Charta 77 oder von Andrei Sacharov in der Sowjetunion. Er engagierte sich für den demokratischen Wandel in Georgien, der Ukraine, in Mazedonien oder auch Simbabwe.

In Kasachstan, Turkmenistan und Weißrussland wurden von ihm unterstützte Organisationen verboten bzw. aus dem Land gedrängt. In Russland wurde es Nichtregierungsorganisationen verboten ausländische Spendengelder anzunehmen – mit Blick auf Soros. 2015 wurde die Open Society Foundation in Russland sogar verboten – sie sei eine Bedrohung für das verfassungsmäßige System der Russischen Republik und die Sicherheit des Staates!

Von Soros gegründete Organisationen haben eine Israel-kritische Haltung und wirft dem israelischen Staat Rassismus und eine anti-demokratische Haltung vor. Eine unterstützte Kampagnie Boycott, Divestment and Sanctions (dt. „Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“, abgekürzt BDS) setzt sich dafür ein, den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch zu isolieren, um durchzusetzen, dass : Israel die Besetzung und Besiedlung „allen arabischen Landes“ beendet, den arabisch-palästinensischen Bürgern Israels volle Gleichberechtigung gewährt und den palästinensischen Flüchtlingen und deren Nachkommen die Rückkehr in ihre frühere Heimat und zu ihrem Eigentum ermöglicht.

In Ungarn erfüllt Soros für den anti-demokratischen Ministerpräsidenten Vitor Orbán (der 1989 ein Stipendium der Soros Foundation erhielt, dass ihm ein Studium der Politikwissenschaft in Oxford ermöglichte) eine ähnliche Funktion, wie in der Türkei die Gülen-Bewegung: alle denkbaren Gegner sind bereits entmachtet oder zu schwach geworden, um eine ernsthafte Opposition zum Machthaber zu bilden. Also braucht es eine Verschwörung, die herhalten kann, um als Sündenbock und Feindbild zu dienen.

Jüdisch, Finanzspekulant und unfassbar reich: Soros eignet sich perfekt.

Zudem muss jemand wie Soros, der für Demokratie, Gewaltenteilung, Menschenrechte und Pressefreiheit eintritt und im Geiste von Poppers Vorstellung der Offenen Gesellschaft die Demokratie als beste Staatsform ansieht, weil sie die Möglichkeit bietet, eine Regierung gewaltfrei abzuwählen, der natürliche Feind eines jeden Autokraten und angehenden Diktators sein.

Als Gegenbild hierzu darf es einen schon bedenklich stimmen, wenn in Deutschland Seehofer, in Österreich die Wahlsieger Kurz und Strache darum wetteifern mit Victor Orbán jemanden über den grünen Klee zu loben, der sich die Möglichkeit verschafft hat, das Parlament aufzulösen, der die Kompetenzen des Verfassungsgericht beschnitten hat, der die demokratische Beteiligung der Bevölkerung durch Volksentscheide eingeschränkt hat und der darüberhinaus die Pressfreiheit faktisch abgeschafft hat:

Im Oktober 2014 berichtete Der Spiegel nach Recherchen, dass die öffentlich-rechtlichen Medien in Ungarn praktisch „gleichgeschaltet“ seien. Nun würde die ungarische Regierung auch gegen die privaten Presseorgane massiv vorgehen. Laut Viviane Reding würde die Pressefreiheit in Ungarn ihren Namen nicht mehr verdienen. Die Maßnahmen der Regierung seien „eine Putinisierung“, so Reding, „das Gegenteil von all dem, was wir in Europa aufgebaut haben.“ – (Quelle: Wikipedia)

Es ist eigentlich unfassbar, dass es überhaupt möglich ist, ein Vermögen von 23 Milliarden Dollar anzuhäufen. George Soros hat es geschafft. Als gelernter Philosoph! Und er ist sich treu geblieben und investiert seinen Reichtum gemäß seinen als junger Mann im Studium gewonnen inneren Überzeugungen. Dabei wird ihn sicherlich auch seine Kindheitserfahrung als Verfolgter zweier Diktaturen (gemeint sind hier das Horthy-Regime und die spätere deutsche Besatzung) geprägt haben.

Ich bin oft tieftraurig, wenn ich mich mit menschlicher Grausamkeit oder der Verfolgung von Minderheiten beschäftige – wie etwa für diesen Artikel in dem Teil, in dem es um die Kindheit von George Soros ging.

Manchmal bin ich pessimistisch und flüchte mich in einen gewissen Sarkasmus, wenn ich mich mit einem Trump, einem Erdogan oder einem Orbán befasse.

Aber eigentlich bin ich Optimist und glaube an das Gute im Menschen. Diesen Glauben an das Gute finde ich in dem bestätigt, was ich im Rahmen dieses Artikels zu George Soros recherchiert habe.

Ein Held der Menschlichkeit, den ich besonders verehre, zu dem ich aber wohl keine Artikel schreiben werde, weil er schon lange tot ist und diese Seite ja doch eher aktuellen Nachrichten gewidmet ist, ist Janusz Korczak.

Wer mag, kann hier mehr über ihn lesen. Aber seid gewarnt: ein so helles Licht, gibt es nur in großer Finsternis.

Quellen und Artikel zum Thema:

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