Halb-Höcke hetzt gegen „Halb-Neger“

Noah Becker, einer der Söhne von Boris und Barbara Becker meinte in einem Interview, dass Berlin im Vergleich zu London oder Paris eine „weiße Stadt“ sei und dass er mehrfach wegen seiner braunen Hautfarbe attackiert worden sei.

Das nahm der Dresdner AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier zum Anlass, um bei Twitter mit den Worten „Dem kleinen Halbneger scheint einfach zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders lässt sich sein Verhalten nicht erklären“ über Noah Becker herzuziehen.

Maier gilt als Vertreter des rechtsnationalen Parteiflügels um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke. Maier hat sich selbst in der Vergangenheit als „kleiner Höcke“ bezeichnet.

In Hinblick auf die Abstammung hat der AfD Politiker dabei übrigens unrecht. Die Mutter von Noah Becker ist die Tochter des afro-amerikanischen Fotografen Harlan Ross Feltus und der deutschen Lehrerin Ursula Feltus. Da bei Boris Becker selbst keine afrikanischen Vorfahren in den letzen 15.000 Jahren bekannt sind, wäre Noah Becker also nur ein „Viertel-Neger“.

Das kann sich beim Gedankengut, das Herr Maier vertritt, ja vielleicht eines Tages noch als nützlich erweisen.

Das Reichsbürgergesetz von 1935 hatte allen „jüdischen Mischlingen“ eine (vorläufige) „Reichsbürgerschaft“ zuerkannt und sie damit besser gestellt als „Juden“ und „Geltungsjuden“ („Halbjuden“ und „Vierteljuden“, die „zum Judentum tendierten“).

Innerhalb dieser privilegierten Gruppe der „Mischlinge“ wurden „jüdische Mischlinge zweiten Grades“, die nur einen jüdischen Großelternteil hatten, deutlich bevorzugt: Nach nationalsozialistischer Auffassung war das rassisch kostbare arische Blut dieser „Vierteljuden“ zu bewahren und der geringe jüdische Blutsanteil würde im Laufe von Generationen verblassen. Daher durften „jüdische Mischlinge zweiten Grades“ auch nach 1935 „Deutschblütige“ ehelichen. Ehen zwischen zwei „jüdischen Mischlingen zweiten Grades“ sollten hingegen nicht geschlossen werden. Für die Heirat eines „jüdischen Mischlings ersten Grades“ mit einem „Mischling zweiten Grades“ oder einem „Deutschblütigen“ musste eine Genehmigung eingeholt werden.

Später wurde der Status dann bekanntlich nicht nur bedeutsam, um etwa heiraten zu dürfen, sondern auch, um nicht vergast zu werden.

Ganz sicher, kann sich Noah Becker freilich nicht sein. In den besetzten Ostgebieten wurden „Halbjuden“ und sogar „Vierteljuden“ als Mitglied einer jüdischen Kultusgemeinde unterschiedslos als „Volljuden“ eingestuft.

Und möglicherweise wird Noah Becker, ja auch irgendwann als „Geltungsneger“ eingestuft, falls er nach Auffassung von Höcke-Denkenden zu sehr zum Afrikanertum tendiert.

Inzwischen wurde aus AfD-Kreisen in Umlauf gebracht, dass Maier den Tweet nicht selbst abgesetzt habe, der Autor sei ein Mitarbeiter. Maier habe sich diesen inzwischen „zur Brust genommen“. Vermutlich kann der Mitarbeiter, so es ihn denn gibt, dort dann noch etwas mehr rassistisches Gedankengut aufsaugen.

Es soll hier allerdings nicht unterschlagen werden, dass sich der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland über Maiers Kommentar verärgert zeigte und sagte: „Das ist nicht mein Stil.“

Gauland kritisiert also nicht die Haltung, sondern den Stil.

Gauland selbst hat im Wahlkampf 2017 auf einer AfD-Walveranstaltung in Thüringen über die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Aydan Özoguz, gesagt: „Ladet sie mal ins Eichsfeld ein, und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können“. Gauland hat diese Äußerung später verteidigt: er habe etwas gesagt und stehe inhaltlich dazu.

Nochmal zu Jens Maier:

Im Januar 2017 trat Maier als Vorredner von Björn Höcke im Brauhaus Watzke in Dresden auf. Er redete dort über die „Herstellung von Mischvölkern“, durch die die „nationalen Identitäten“ ausgelöscht werden sollten, was „einfach nicht zu ertragen“ sei und bezeichnete die Aufarbeitung der NS-Verbrechen als „gegen uns gerichtete Propaganda und Umerziehung“ und als „Schuldkult“. Die NPD sei bis zum Aufkommen der AfD die einzige Partei gewesen sei, die „immer geschlossen zu Deutschland gestanden“ habe.

Im April 2017 äußerte Maier Verständnis für den norwegischen Rechtsterroristen Anders Behring Breivik, der 2011 77 Menschen ermordet hat. Dieser sei aus „Verzweiflung heraus zum Massenmörder geworden“. Grund sei die Einwanderung von „Kulturfremden“ gewesen.

Vor diesem Hintergrund besonders bezeichnend: im November wurde Maier von der AfD-Bundestagsfraktion zum Beiratsmitglied des „Bündnisses für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“ bestimmt.

Mein Fazit:
AfD: da weiss man, was man wählt.

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