Neue Weltordnung: Weltmacht China

China hat schon länger das Potential zur Weltmacht. Es ist das bevölkerungsreichste Land der Welt und hat 1,37 Milliarden Einwohner, was etwa 18,7 % der Weltbevölkerung entspricht.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Chinas liegt bei 11.18 Milliarden US Dollar. Das der USA liegt bei 18.558 Milliarden US Dollar. Da aber die Preise für reale Güter und Dienstleistungen in China niedriger sind als in den Vereinigten Staaten, liegt das BIP in Kaufkraftparität Chinas bei 21.291 Milliarden US Dollar und damit über dem der USA. Nach Kaufkraft ist es die größte Volkswirtschaft der Welt – und wächst nach wie vor deutlich schneller als die „Konkurrenz“.

China war mit einem Exportvolumen von 2.098 Milliarden US Dollar 2016 der größte Güterexporteur der Welt. Seit der wirtschaftlichen Öffnung Chinas haben sich die Exporte des Landes von 2 Milliarden auf über 2000 Milliarden Dollar mehr als vertausendfacht. Es ist heute die Werkbank der USA und Europas.

Es verfügt außerdem mit 2,5 Millionen Soldaten über die größte Armee der Welt, ist Nuklearmacht und gönnt sich das zweitgrößte Militärbudget der Welt.

China wird auch „Das Land der Mitte“ genannt – was schlicht wörtlich dem Landesnamen wiedergibt. China heißt in der Landessprache „Zhongguo“. „zhong“ bedeutet „Mitte“, „guo“ „Land, Reich“. China sah sich historisch immer als Mittelpunkt der Welt, politisch, kulturell und technisch. In China wurden das Papier, die Druckkunst, das Schießpulver und der Magnetkompass erfunden. Zu Recht sind die Chinesen Stolz auf Ihre vergangenen Errungenschaften – und auf Ihre zurückgewonnene Stärke.

„Dreimal in den vergangen 2000 Jahren war China Weltmacht: während der Han-Dynastie (206 v. Chr. Bis 220, der Tang-Dynastie (618 bis 907) und der Qing-Dynastie seit 1644. Noch im Jahr 1820, zwei Jahrzehnte vor Beginn der Opiumkriege, steuerte China fast ein Drittel zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei.“ (Quelle: Wirtschaftswoche)

Danach stürzte es auf den Status einer Halbkolonie ab. Ungleichen Verträgen und Demütigungen im Boxeraufstand durch Europa und die Vereinigten Staaten, folgte die Besetzung der Mandschurei und danach umfangreicher weiterer Gebiete durch den Nachbarn Japan. Erst nach dem 2. Weltkrieg begann unter Mao ein langsamer Wiederaufstieg.

Man konzentrierte sich primär darauf, die eigenen Probleme zu lösen. Über Jahrzehnte hinweg war der Blick Chinas nach Innen gewandt.

Der Unterschied zwischen dem Potential eine Weltmacht zu sein und dem Status als Weltmacht ist der Wille wesentlichen Einfluss auf weltpolitischer Ebene auszuüben.

Ein Beispiel hierzu ist amerikanische Doktrin des Manifest Destiny („offensichtliche Bestimmung“). Sie besagt, dass die Vereinigten Staaten einen göttlichen Auftrag zur Expansion haben und wurzelt im zunächst kontinental definierten Anspruch die USA über den gesamten nordamerikanischen Kontinent auszudehnen, der zur Kolonisierung und Inbesitznahme des „Wilden Westen“ führte.

Zweite Stufe war die Monroe-Doktrin (ab 1823), mit der die Nichteinmischung der Vereinigten Staaten in europäische Konflikte und ein Ende aller Einmischungen europäischer Mächte in der Neuen Welt gefordert – und durchgesetzt wurde.

Das Sendungsbewusstsein für Christentum, Demokratie und Menschenrechte nach amerikanischer Prägung entwickelte sich danach beständig weiter und diente dabei auch der Rechtfertigung eines skrupellosen Imperialismus. Der Weg Amerikas zum unumstrittenen Anführer der Welt, war mit dem Zerfall der Sowjetunion abgeschlossen.

Wirklich nutzen konnte sie das nicht. Die amerikanischen Engagements in Afghanistan, Irak, Libyen, die Versuche zur Eindämmung Nordkoreas oder die Vermittlungsversuche im Dauerkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern sowie den umliegenden arabischen Staaten waren letztlich allesamt Fehlschläge.

Amerika war der unumstrittene Anführer der Welt und ist dessen müde geworden. Trumps „Make America Great again“ hat imperialistische Anstriche, markiert zugleich aber auch eine geistige Wendung nach Innen.

Anders in China. Dort hat man sich lange mit der Rolle eines Zuschauers begnügt. Das Land konzentrierte sich auf sich selbst. Diese Phase ist nun vorbei.

Das Land definiert seine Interessensphäre zunehmend weiter, schüttet künstliche Inseln im Ostchinesischen Meer auf und stationiert dort Soldaten, um territoriale Ansprüche zu begründen.

1998 kaufte China einen ersten Flugzeugträger aus den Beständen der Ukraine, modernisierte ihn und stellte ihn 2012 in Dienst.

Am 26. April 2017 hat China den ersten selbstentwickelten Flugzeugträger fertig gestellt. Ein weiterer befindet sich im Bau.

Der Sinn und Zweck von Flugzeugträgern besteht darin, mit ihrer Hilfe weltweit militärisch handeln zu können, auch ohne Stützpunkte im Konfliktgebiet zu unterhalten. Die USA haben 11 Flugzeugträger (und einen im Bau). Russland hat einen.

China baut eine „Neue Seidenstraße“. Es investiert 900 Milliarden Dollar und möchte damit entlang der Route der antiken Seidenstraße zwischen Asien, Afrika und Europa neue, moderne Handelskorridore aufbauen.

„Bei dem 2013 eingeleiteten Projekt geht es hauptsächlich um Infrastrukturprojekte wie Häfen, Straßen und Bahnstrecken. Im April startete beispielsweise der erste Güterzug von Großbritannien den gut 12.000 Kilometer langen Weg in den Osten Chinas. Die chinesische Entwicklungsbank hat umgerechnet 817 Milliarden Euro in Form von Krediten für insgesamt 900 Bau- und Entwicklungsprojekte bereitgestellt.“ (Quelle: Zeit Online)

„Mit einem Volumen von rund 900 Milliarden Dollar ist es das größte Investitionsprogramm seit dem Marshallplan, mit dem die USA nach dem Zweiten Weltkrieg dem zerstörten Westeuropa wieder auf die Beine halfen. China will im eurasischen Ausland in Pipelines und Kraftwerke investieren, es geht um ein Netzwerk aus Straßen, Eisenbahnen, Häfen und Flughäfen zwischen Asien und Europa – also um Infrastruktur. Und es geht um Chinas Ruhm und Einfluss – also um Geopolitik.“ (Quelle: Spiegel Online)

China investiert in der Welt. Es verspricht sich davon wirtschaftliche Vorteile aber auch lokalen Einfluss in den entsprechenden Regionen. Die Rechnung dürfte im Wesentlichen aufgehen.

Politik wird auch mit Entwicklungshilfe gemacht. Schwerpunkt westlicher Entwicklungshilfe sind in der Regel ehemalige Kolonien. Die gesamte EU hat im Jahr 2013 insgesamt 56 Milliarden Euro an Entwicklungshilfe geleistet. Aus den Vereinigten Staaten erhielt Afrika bisher ca. 11 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe. Unter Trump sollen die Gelder für Afrika nun um 30 Prozent gekürzt werden.

China leistete 2013 Schätzungen zufolge Entwicklungshilfe im engeren Sinne im Umfang von 75 Milliarden Dollar an Afrika.

Chinas Anteil am gesamt-afrikanischen Handel wuchs innerhalb von zehn Jahren von drei Prozent auf knapp 20 Prozent im Jahr 2014 und ist mit einem Handelsvolumen von über 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr zum größten Handelspartner Afrikas geworden.

Im Juli 2017 hat China seine erste Militärbasis im Ausland eröffnet: im ostafrikanischen Dschibuti, das an der Meerenge zwischen Afrika und der arabischen Halbinsel liegt.

Waren, die durch den Suezkanal transportiert werden, müssen auch an dieser Meerenge vorbei. Es werden Handelswege gesichert und eine geopolitische Duftmarke gesetzt.

Vor kurzem fand der 19. Parteikongress der Kommunistischen Partei Chinas statt. Parteitage gibt es in China nur alle 5 Jahre – und sie dienen vor allem als Akklamationsorgan. Hier werden die Führungspositionen bestimmt und hier wurden früher die 5-Jahrespläne verabschiedet. Auch heute noch werden hier die Zukunftsvisionen verkündet.

Mit dem Aufbau eines starken Chinas will Staats- und Parteichef Xi Jinping den «chinesischen Traum» verwirklichen. Zum Auftakt des Parteikongresses in Peking rief der Präsident zu verstärkten Anstrengungen auf.

Diese sollen Wohlstand schaffen und dem «Sozialismus chinesischer Prägung für eine neue Ära» zum Erfolg verhelfen. Die Streitkräfte sollen modernisiert und zu einem Militär von «Weltklasse» ausgebaut werden. «Der Wiederaufstieg der Nation ist der größte Traum des chinesischen Volkes.» (Quelle: Welt)

Am 09.11.2017 war nun Präsident Trump zu Besuch in China. Die chinesische Führung hat das Treffen gut vorbereitet und ihm etwas gegeben mit dem er sich brüsten kann: Deals.

Es wurden Wirtschaftsabkommen mit einem Umfang von etwa 250 Milliarden Dollar geschlossen. Es wirkt. Drohte Trump China in der Vergangenheit noch wegen des amerikanischen Handelsdefizits zwischen den Staaten noch mit einem Wirtschaftskrieg, so spricht er China nun von den Vorwürfen frei. Es gibt schließlich auch noch andere Sündenböcke.

„Trump sagte, er mache China wegen des Handelsdefizits keinen Vorwurf. Der Fehler liege bei früheren amerikanischen Regierungen, die es ermöglicht hätten, dass das „außer Kontrolle geratene Handelsdefizit“ immer weiter zugenommen habe.“

Und was die große Bühne der Welt angeht, scheint Trump bereit, etwas Platz zu machen und sagte „Amerika und China könnten gemeinsam die Probleme der Welt lösen“.

Trump denkt dabei nicht zuletzt an Nordkorea.

China denkt auch an den Nahen Osten. 2013 hat China die USA als größter Importeur von Erdöl aus dem Nahen Osten überholt.

China hat in vielerlei Hinsicht weltpolitisch mit den USA gleichgezogen und hat den Willen sein geopolitisches Gewicht künftig aktiv einzusetzen. Die USA mag sich heute noch als Primus inter Pares fühlen. In 20 bis 30 Jahren wird das vermutlich schon deutlich anders aussehen.

Quellen und Artikel zum Thema:

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