Rohingya-Abkommen: die Schafe sollen wieder zum Schlachter

Die Rohingya gelten als die am stärksten verfolgte Minderheit der Welt. Ihre Heimat ist die Provinz Arakan (Rakhaing-Staat) in Myanmar. Aus Sicht der Burmesen gehören zur falschen „Rasse“, sprechen die falsche Sprache und glauben an die falsche Religion und werden darüber mit der als nationale Schande empfundenen britischen Kolonialzeit assoziiert, weil Sie angeblich zu dieser Zeit als Gastarbeiter von den Briten ins Land geholt wurden.

Sie wurden seit 1948 in 20 großen Militäraktionen verfolgt. Sie sind nicht als Bevölkerungsgruppe anerkannt, ihre burmesische Staatsangehörigkeit wird nicht anerkannt, sie dürfen nicht wählen und dürfen nicht an der Volkszählung teilnehmen. Neugeborene Kinder der Rohingya erhalten keine Geburtsurkunde. Ihr Grundbesitz wird beschlagnahmt, ihr Privatbesitz zerstört oder gestohlen. Ihre Moscheen werden zerstört. Sie werden mit Sondersteuern, Zwangsarbeit und Heiratsbeschränkungen drangsaliert. Hinzu kommen illegale Inhaftierungen, Folter, Vergewaltigungen und Morde.

Seit 2016 betreibt das burmesische Militär im großangelegte, mörderische Vertreibungen. Dörfer wurden niedergebrannt, Menschen bei lebendigem Leibe verbrannt. Kleine Mädchen vergewaltigt, panisch Fliehenden in den Rücken geschossen.

600.000 Rohingya sind nach Bangladesch geflohen. Auf Dauer sind sie dort nicht willkommen. In Bangladesch gelten die Rohingya als Burmesen. Sie sind auf engstem Raum in Flüchtlingslagern unterbracht und werden notdürftig versorgt.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk will ihre Rückkehr: „Für das UNHCR ist es genauso wichtig, dass die freiwillige, sichere und menschenwürdige Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat ein Option bleibt. Deshalb ist die Rückkehr zu Frieden und Stabilität in Myanmar unverzichtbar“.

Jetzt haben Myanmar und Bangladesch sich auf eine Rückkehr der muslimischen Rohingya-Flüchtlinge verständigt. Die beiden Länder unterschrieben eine Absichtserklärung über die Rückführung der nach Bangladesch geflüchteten Angehörigen der verfolgten Minderheit nach Myanmar. Die Rückkehr soll auf freiwilliger Basis erfolgen.

Es hat sich aber in Myanmar nichts geändert. Es gibt dort für die Rohingya keinen Frieden und keine Stabilität. Es herrschen dort immer noch dieselben Militärs, die in diesem und im letzten Jahr die Rohingya auf brutalste Weise verfolgt haben. Die Überlebenden dieser Verfolgung sollen nun freiwillig in die Gewalt Ihrer Peiniger zurückkehren?

Wie will man verhindern, dass nicht in ein paar Monaten oder einem Jahr wieder die Dörfer und Menschen verbrannt, Kinder vergewaltigt und Fliehenden in den Rücken geschossen wird? Soll man auf das Wort der Mörder vertrauen? Weil die ja ganz bestimmt nicht so unanständig wären, über Ihre wahren Absichten zu lügen? Wer kann bei gesundem Verstand sein und auch nur eine Sekunde lang denken, dass eine systematische Verfolgung, die seit 79 Jahren anhält nun plötzlich aus heiterem Himmel aufhört?

Wer kann es wirklich verantworten zu einem Rohingya zu gehen und ihn dazu ermutigen wieder in das Land zurück zu kehren, aus dem er gerade eben noch mit nichts al seinem Leben entkommen ist und in dem Menschen lebten, die er liebte und die es nicht mehr geschafft haben, der Verfolgung zu entkommen?

Das geht so gut und so wenig, wie man einen bosnischen Muslim, der während des Bosnienkriegs aus der Gegend um Srebrenica geflohen ist, dazu ermutigen konnte, während des noch laufenden Konflikts wieder nach Srebrenica zurück zu kehren. Wer damals so etwas getan hat, hat heute Blut an seinen Händen. Wer heute Rohingya dazu bringt wieder nach Myanmar zurück zu kehren, der wird morgen Blut an seinen Händen haben.

Ich habe sehr große Skepsis in Hinblick auf die angebliche Freiwilligkeit einer Rückkehr. In Burma sind die Rohingya nicht willkommen. Es ist damit zu rechnen, dass man den Menschen falsche Versprechungen machen wird, um sie wieder loszuwerden. Und auch damit, dass man Ihnen die Möglichkeit der Arbeitsaufnahme verweigert und sie schlechter versorgt, als es möglich wäre, nur um das Verbleiben im Exil unerträglich zu machen und eine Rückkehr als das kleinere Übel erscheinen zu lassen.

In Bangladesch sind die Rohingya zwar im Moment nicht willkommen, aber sie gehören zur selben übergeordneten Ethnie, sprechen eine verwandte Sprache, bzw. einen Dialekt der Landessprache (Bengali) und haben die „richtige“ Religion. Das ist überbrückbar. Internationale Hilfe an die Rohingya und das Land Bangladesch für diesen Prozess wäre gut angelegt.

Selbst wenn der Vertreibungsplan der burmesischen Militärs dadurch aufgeht: wenn man den Menschen gerecht werden will, müsste Ihnen eine Zukunft in Bangladesch als Staatsbürger von Bangladesch ermöglicht werden.

Konsequenzlos dürfen die ethnischen Vertreibungen für Myanmar trotzdem nicht bleiben. Solange die Täter – inkl. der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi – an der Macht sind, müsste das Land politisch und wirtschaftlich isoliert werden. Auch eine juristische Strafverfolgung der Täter durch internationale Gerichtshöfe müsste angestoßen werden.

Quellen und Artikel zum Thema:

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