Simbabwe: jetzt schwingt der Knüppel das Zepter

Der 93-jährigen Präsident Simbabwes, Robert Mugabe, wollte seine 52-jährige zweite Frau Grace Mugabe zu seiner Nachfolgerin machen.

1996 heirateten die beiden, 2014 wurde Grace per Akklamation zur Vorsitzenden der Frauenliga der ZANU-PF gewählt und damit zugleich deren Vertreterin im Politbüro der regierenden Einheitspartei ZANU-PF. Da war Mugabe schon etwas senil. Am 15. September 2015 hielt er im Parlament versehentlich eine 25-minütige Rede, die er wortwörtlich drei Wochen vorher dort schon einmal gehalten hatte, ohne dies zu bemerken.

Seine Frau nutzte die Gelegenheit und verschaffte sich immer mehr Einfluss. Sie setzte dabei auf eine eigene Machtclique jüngerer Politiker und Funktionäre und stand damit im Gegensatz zu den alten Kampfgefährten Mugabes aus den Zeiten des Unabhängigkeitskriegs. Das wurde Ihr dann wohl zum Verhängnis, denn die alten Kämpfer waren noch an den meisten Schalthebeln, insbesondere im Militär vertreten.

Das Spiel um die Macht entschied sich, als Mugabe Anfang November seinen langjährigen Verbündeten, den Vizepräsident Emmerson Mnangagwa entließ, um Grace den Weg zur Macht zu sichern. Mnangagwa flüchtete ins Ausland. Dort angekommen aktivierte er seine Verbindungen beim Militär. Es folgte ein Zeitlupen-Putsch durch Armeechef Constantine Chiwenga und eine Woche danach hat Robert Mugabe auf sein Präsidentenamt verzichtet. Er kam damit einem Amtsenthebungsverfahren zuvor.

Als Parteivorsitzender der ZANU-PF hatte Emmerson Mnangagwa Mugabes Nachfolge da bereits angetreten. Nach dem Rücktritt, gibt es auch bereits Verlautbarungen von Seiten der ZANU-PF, dass Mnangagwa Mugabe auch als Präsident nachfolgen soll. Mugabes Frau Grace steht derweil mutmaßlich noch in einer Villa in Simbabwes Hauptstadt Harare unter Hausarrest.

Nun also Mnangagwa. Sein Spitzname ist das Krokodil und er war unter Mugabe der Mann fürs Grobe. 1977, drei Jahre vor der Unabhängigkeit wurde er der persönliche Assistent Mugabes. Nach der Unabhängigkeit war er zunächst von 1980 bis 1988 Staatssicherheitsminister. Genau in diese Zeit fallen die Gukurahundi-Verfolgungen.

Gukurahundi bedeutet übersetzt: „der frühe Regen wäscht die Spreu weg vor dem Frühlingsregen“. Im Oktober 1980 unterzeichnete Robert Mugabe als Premierminister ein Abkommen mit dem nordkoreanischen Präsidenten Kim Il-sung über die Ausbildung einer Brigade der Armee von Simbabwe. Kurz zuvor hatte Mugabe die Notwendigkeit einer Miliz zur „Bekämpfung von Missmut“ angekündigt. Im August 1981 trafen 106 Nordkoreaner ein, um die neue Brigade auszubilden, die Mugabe für unabdingbar hielt, um „mit Dissidenten und anderen Sorgen im Land fertig zu werden“.

Die neue Brigade Bestand aus 3.500 ehemaligen Unabhängigkeitskriegern des militanten Arms von Mugabes Organisation. Die Ausbildung der Brigade dauerte bis September 1982. Sie war nicht in die Armee integriert, hatte eigene Codes, Unformen, Funkgeräte und Ausrüstung, die nicht mit denen der Armee kompatibel waren. Sie operierten teils offen, teils in Zivil. Das Gesetz galt für sie nicht. Die meisten ihrer Maßnahmen galten Zivilisten, die verdächtigt wurden, Dissidenten zu unterstützen. Im April 1983 kündigte Mugabe an: „Wir werden sie ausrotten. Wir machen im Kampf keinen Unterschied, weil wir nicht sagen können, wer ein Dissident ist und wer nicht“.

Innerhalb weniger Wochen wurden über 2.000 Zivilisten ermordet und hunderte von Häusern zerstört. Die meisten Opfer wurden öffentlich exekutiert und mussten oft zuvor in Gegenwart ihrer Familien und Mitbürger ihr eigenes Grab schaufeln. Eine andere Art, größere Gruppen zu töten, war, sie in Häuser zu sperren und diese anzuzünden, so dass sie lebendig verbrannten.

Die Verfolgungen endeten erst 1987 nach 20.000 Toten schließlich mit einem politischen Abkommen unter Ausschaltung einer Opposition durch Bildung einer Einheitspartei, gekoppelt mit einer Generalamnestie – für Dissidenten, aber auch für Menschenrechtsverletzung.

In diesem ganzen Zeitraum (bis 1988) war Mnangagwa Staatssicherheitsminister. Von den Verfolgungen will er nichts gewusst haben.

Später war Mnangagwa Justizminister (1988 bis 2000 und 2013 bis 2017), Minister für ländlichen Wohnungsbau und soziale Verbesserungen (2005 bis 2009) und Verteidigungsminister (2009 bis 2013). Während des Zweiten Kongokrieges ab 1998 gehörte er zur Leitung des Unternehmens Osleg (kurz für Operation Sovereign Legitimacy), das in der kongolesischen Provinz Kasaï Diamantenminen ausbeuten durfte. Er ist einer der reichsten Bürger Simbabwes.

2008 war Mnangagwa für die Präsidentschaftswahl verantwortlich. Umfragen hatten seit langem einen Sieg der Opposition vorausgesagt. Als die Regierung die Stimmenauszählung über Gebühr verzögerte, rief sich die Opposition zum Wahlsieger aus. Nach den „offiziellen“ Wahlergebnissen konnte dann aber keiner der beiden Kandidaten eine absolute Mehrheit erlangen. Der Kandidat der Opposition, Morgan Tsvangirai, wollte bei einer Stichwahl gegen Mugabe antreten, zog aber, infolge von fortgesetzten, massiven Repressionen und Gewaltakten gegen Mitglieder seiner Partei (MDC) durch das Mugabe-Regime, seine Kandidatur zurück, so dass Mugabe mit großer Mehrheit wiedergewählt wurde. Er wurde aber später unter Vermittlung Südafrikas als Ministerpräsident an der Macht beteiligt.

Am 11. Februar 2009 wurde Tsvangirai als Ministerpräsident vereidigt. Am 6. März 2009 kollidierte das Auto des Ehepaares Tsvangirai mit dem LKW einer Hilfsorganisation. Das Ehepaar war unterwegs zu einer Wahlkampfveranstaltung gewesen. Während des Unfalls wurde Tsvangirai schwer verletzt, seine Frau Susan starb noch am Unfallort. Das könnte durchaus ein tatsächlicher Unfall gewesen sein. Frontkollisionen mit Militärtransportern sind allerdings eine häufige Todesursache Oppositioneller in Simbabwe. Wahrscheinlich können die Leute der Opposition einfach nicht so gut Autofahren.

Tsvangirai ließ sich nach dem Unfall im Ausland behandeln, kehrte aber später nach Simbabwe zurück und blieb bis 2013 Ministerpräsident. Nachdem seine Partei bei den Wahlen 2013 massiv an Stimmen verlor, wurde er Oppositionsführer. Aktuell ist er am Darmkrebs erkrankt und kehrte wegen des Putschs aus Südafrika, wo er behandelt wurde, nach Simbabwe zurück.

2014 wurde Mnangagwa dann Vizepräsident Simbabwes, ehe er Anfang November wieder abgesetzt wurde.

Und jetzt wird also der 75-jährige, brutale, skrupellose und korrupte Mnangagwa die Nachfolge des 93-jährigen, brutalen, skrupellosen und korrupten Mugabe antreten.

Vielleicht ist das tatsächlich besser als eine Herrschaft, der 52-jährigen brutalen, skrupellosen und korrupten Grace Mugabe. Immerhin ist Mnangagwa älter als Grace Mugabe und Frauen haben eine etwas höhere Lebenserwartung als Männer. Irgendwann könnte sich für Simbabwe also vielleicht doch noch etwas ändern.

Mehr Optimismus können mir die neuen Verhältnisse in Simbabwe leider nicht entlocken.

Quellen und Artikel zum Thema:

Ein Kommentar

  1. Der schwarze Sarkasmus ist herrlich: „Wahrscheinlich können die Leute der Opposition einfach nicht so gut Autofahren.“

    Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

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