Verfolgt, verfolgter, Rohingya – Artikel mit Spendenaufruf

Am 23.10. haben Mitgliedsländer der UN bei einer Geberkonferenz in Genf Hilfsgelder in Höhe von etwa 340 Millionen US-Dollar für Rohingya-Flüchtlinge zugesichert.

Die Rohingya gelten als die am stärksten verfolgte Minderheit der Welt. Ihre Heimat befindet sich im arakanesischen Minderheitenstaat Rakhaing (bzw. Rakhine oder Arakan) in Myanmar (ehemals Burma). Myanmar ein Vielvölkerstaat mit 135 verschiedenen Ethnien. Das macht es fast unerklärlich, warum eine Minderheit dort dermaßen brutal verfolgt wird.

————————————————————————
!! ACHTUNG – BITTE SPENDENAUFRUF BEACHTEN !!
————————————————————————
Am Ende des Artikels befindet sich ein Spendenaufruf mit Angabe entsprechender Konten. Ich würde mich freuen, wenn dieser Artikel geteilt wird und dazu beiträgt, dass Hilfen bei den Rohingya ankommen.
————————————————————————

Das Motiv

Eine Erklärung ist die Religion, eine andere die Sprache: die Rohingya sind eine muslimische Minderheit in einem buddhistischen Land, und spricht eine Sprache, die nicht mit dem Birmanischen verwandt ist, einer sino-tibetischen Sprache, sondern mit dem Bengalischen, das zum indoarischen Zweig der Indogermanischen Sprachfamilie gehört.

Die Rohingya behaupten von der historischen muslimischen Bevölkerung Arakans abzustammen. Diese Bevölkerungsgruppe entstand als ein Teil der ansässigen Bevölkerung vor 1000 Jahren zum Islam konvertierte. Die westliche Geschichtsschreibung geht davon aus, dass die muslimische Bevölkerung in Arakan ursprünglich auf deportierte und geflohene Bengalis zurückgeht, die von Königen im 16. und 18. Jahrhundert angesiedelt wurden.

Nach offizieller Lesart von Myanmar kamen die Rohingya aufgrund der Briten als bengalische Gastarbeiter nach Arakan, das im ersten britisch-burmesischen Krieg (1824-1826) an die Britische Ostindien-Kompagnie verloren ging. Nach dem dritten britisch-burmesischen Krieg wurde ganz Burma Teil des britischen Kolonialreichs und Britisch-Indien angegliedert. Nach Sichtweise von Myanmar gibt es keine Rohingya, es ist stattdessen von Bengalen die Rede. Sie sehen auch deutlich anders aus als der durchschnittliche, eher hellhäutige Burmese. Nationalistische Politiker und radikale Gruppen verwenden für Rohingya offen den rassistischen Begriff „Kalar“ (Schwarze).

Rohingya gehören also zur falschen „Rasse“, sprechen die falsche Sprache und glauben an die falsche Religion und sind darüber hinaus eine Erinnerung an die als nationale Schande empfundene Kolonialzeit.

Darüberhinaus sind sie eigentlich die Mehrheit in Arakan. Bereits im Jahr 2012 gab es aufgrund von jahrzehntelanger Verfolgung eine Diaspora von 1 bis 1,5 Millionen Rohingya außerhalb Myanmars. Wäre es diesen erlaubt nach Myanmar zurückzukehren, würde man sie also zu den in Rohingya in Arakan hinzurechnen, so würden die Rohingya ca. 63% der Bevölkerung von Arakan ausmachen, das insgesamt 3,18 Millionen Einwohner hat. Die Arakanesen (eine birmanische Volksgruppe, die einen Dialekt des Birmanischen sprechen) wären auf einmal in der Minderheit.

Hinzu kommt, dass die Geburtenrate der Rohingya höher ist, als die der Birmanen. Lt. offizieller Seite 10-mal so hoch. Tatsächlich dürfte die Differenz deutlich geringer sein. Nach Zensus-Daten sind 18.5 der Bevölkerung von Myanmar jünger als 10 Jahre alt. In der muslimischen Bevölkerung Arakans waren es 27%. Eine typische buddhistische Familie hat 2-3 Kinder, eine typische muslimische 4-5 Kinder.

Auch wenn eine 10-mal höhere Geburtenrate Phantasiezahl ist: dass die Geburtenrate der Rohingya deutlich höher ist, ist gesichert.
Wenn die Rohingya die Bevölkerungsmehrheit stellen oder aufgrund des höheren Bevölkerungswachstums über kurz oder lang stellen werden, verursacht dies die Befürchtung zur Minderheit im eignen Land zu werden. Als Beispiel populistisches wird Indonesien als ehemaliges Buddhistisches und jetzt muslimisches Land herangezogen.

Die Verfolgung der Rohingya dient nach dieser Logik nach also der Sicherung des Territoriums. Die Vertreibung der Rohingya ist eine ethnische „Säuberung“, wobei aber die Rohingya aber nicht als ethische Minderheit, sondern als Illegale Migranten aus Bangladesch dargestellt werden.

Unterdrückung und Verfolgung

Die Verfolgung der Rohingya in Myanmar begann schon kurz nach der Unabhängigkeit von Großbritannien und nahm stetig zu.

Es gab bisher 20 groß angelegte Militäroperationen gegen die Rohingya:

1. Militäroperation (5. Birmanische Regierung), November 1948
2. Operation der Birmanischen Regionalkräfte (BTF), 1949–1950
3. Militäroperation (2. Chinesische Regierung), März 1951–1952
4. Mayu-Operation, Oktober 1952–1953
5. Mone-Thone-Operation, Oktober 1954
6. Gemeinsame Operation des Militärs und der Vereinten Siedler, Januar 1955
7. Operation der Vereinigten Militärpolizei (UMP), 1955–1958
8. Kapitän Htin-Kway-Operation, 1959
9. Shwe-Kyi-Operation, Oktober 1966
10. KyiGan-Operation, Oktober – Dezember 1966
11. Ngazinka-Operation, 1967–1969
12. Myat-Mon-Operation, Februar 1969–1971
13. Major-Aung-Than-Operation, 1973
14. Sabe-Operation, Februar 1974–1978
15. Nagamin-Operation, Februar 1978–1979
16. Shwe-Hintha-Operation, August 1978–1979
17. Galone-Operation, 1979
18. Pyi-Thaya-Operation, 1991–1992
19. Na-Sa-Ka-Operationen, seit 1992
20. August–September 2017

Die Rohingya werden in Myanmar (im Gegensatz zu 135 anderen Ethnien) seit 1982 offiziell nicht als eigenständige Bevölkerungsgruppe anerkannt. Das Gesetz von 1982 verweigert den Rohingya die Staatsbürgerschaft und entsprechende Dokumente. Seit 1994 erhalten neu geborenen Babys keine Geburtsurkunde mehr.

Im Mai 2013 ordnete die Regierung „zum Abbau von ethnischen Spannungen“ an, dass die Rohingya im Rakhaing-Staat nicht mehr als zwei Kinder haben dürfen, da ihre nach Angaben der Regierung zehnmal so hohe Geburtenrate angeblich die buddhistische Mehrheit in eine Minderheit verwandeln könne. An der Volkszählung von 2014 durften die Rohingya nicht teilnehmen. Das gleiche geschah bei den Parlamentswahlen von 2015.

Grundbesitz von Rohingyas wird beschlagnahmt und Privatbesitz zerstört oder gestohlen. Teile des beschlagnahmten Landes werde Arakanesen zur Besiedlung überlassen, ein Viertel des Ackerlands wurde dem Dschungel überlassen. Moscheen werden zerstört, um stattdessen Pagoden und buddhistische Klöster zu bauen. Es gibt Sondersteuern, Zwangsarbeit und Heiratsbeschränkungen. Dazu kommen illegale Inhaftierungen, Folter, Vergewaltigungen und Morde.

Bei anti-muslimischen Unruhen im Jahr 2012 wurden über 200 Menschen getötet und rund 120.000 Rohingya vertrieben.

Die aktuelle Eskalation

2016 gründeten mindesten zwanzig Rohingya, die sich im saudi-arabischen Exil befanden, die Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA), die im Laufe des Jahres 2016 nach Myanmar zurückkehrten. Im Oktober 2016 überfielen ARSA-Kämpfer bewaffnet mit Macheten und anderen einfachen Waffen Polizeiposten in Myanmar und töteten neun Polizisten. Staatliche Sicherheitskräfte griffen daraufhin in mehreren Razzien hart durch. Im Zuge der Auseinandersetzungen mit den Aufständischen hat das burmesische Militär Rohingya vergewaltigt, gefoltert und ermordet und Rohingya-Dörfer niedergebrannt.

Ende August 2017 kam es erneut zu einem schweren Angriff der ARSA auf über 20 Polizeiposten und verstärkten Reaktionen des Militärs. Bei den Angriffen starben mindestens 89 Menschen. An den Auseinandersetzungen im Rakhaing-Staat (Arakan) waren 150 ARSA-Kämpfer beteiligt. Am 9. September 2017 erklärte die ARSA einen einseitigen Waffenstillstand ab sofort für einen Monat. Damit sollten laut der Mitteilung die Hilfslieferungen für die Not leidenden Menschen ermöglicht werden.

Das burmesische Militär hat seine brutalen Vertreibungen seitdem noch intensiviert. Es werden nicht nur Dörfer niedergebrannt, sondern auch Menschen bei lebendigem Leibe verbrannt. Kleine Mädchen werden vergewaltigt, panisch Fliehenden in den Rücken geschossen.

Inzwischen sind 600.000 Rohingya nach Bangladesch geflohen und es werden immer mehr. Währenddessen hat das burmesische Militär bereits Minen an der Grenze zu Bangladesch verlegt, die eine Rückkehr verhindern sollen.

Bangladesch hilft, ist aber selbst bitterarm. Die Rohingya werden auf engstem Raum in Flüchtlingslagern unterbracht und notdürftig versorgt. Zwei Drittel der Flüchtlinge sind Kinder. Die Menschen sind verzweifelt und traumatisiert. Jedes fünfte Kind unter fünf Jahren ist deutlich unterernährt. Es fehlt an allem.

In Bangladesch gelten die Rohingya als Burmesen. Dauerhaft sollen sie nicht bleiben. Und auch das UN-Flüchtlingshilfswerk fabuliert von einer Rückkehr: „Für das UNHCR ist es genauso wichtig, dass die freiwillige, sichere und menschenwürdige Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat ein Option bleibt. Deshalb ist die Rückkehr zu Frieden und Stabilität in Myanmar unverzichtbar“.

Mynamars De-facto-Regierungschefin, die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, leugnete die gewaltsame Vertreibung der Rohingyas zunächst. Die internationale Kritik basiere auf „Fehlinformationen“, das Ausland diene mit seiner Unterstützung für die Rohingya den „Interessen von Terroristen“. Später relativierte sie:

„Wir sind ebenfalls besorgt – und wir wollen herausfinden, was die wahren Probleme sind. Es gab Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen – und wir müssen auf alle hören. (…) Die Regierung bemüht sich, Normalität wieder herzustellen. Seit dem 5. September gab es in Rakhine keine bewaffneten Zusammenstöße und keine Anti-Terrormaßnahmen mehr. Nichtsdestotrotz sind wir sehr beunruhigt darüber, dass Muslime in großer Zahl über die Grenze nach Bangladesch fliehen. Wir wollen herausfinden, warum dieser Exodus geschieht.“

Da fragt man sich, was man eigentlich machen muss, um einen Friedensnobelpreis aberkannt zu bekommen. Die Antwort: man kann alles machen, eine Aberkennung gibt es trotzdem nicht.

Das Nobelkomitee in Oslo hat am 08.09. mitgeteilt, dass eine Aberkennung des Nobelpreises von Aung San Suu Kyi de facto ausgeschlossen sein. Nur die vor der Zuerkennung eines Nobelpreises erbrachten Leistungen würden vom Komitee bewertet, erklärte der Chef des Nobel-Institutes, Olav Njölstad. Alle später erfolgenden Handlungen hätten daher keinen Einfluss.

Laut der Satzung der Nobelstiftung darf der Preis nicht aberkannt werden. In der Satzung steht es, dass gegen die Entscheidung über die Verleihung eines Nobelpreises kein Einspruch erhoben werden darf.

Ein Friedensnobelpreis wird also auch dann nicht aberkannt, wenn der Betreffende höhnisch lachend mit dem Streichholz am Scheiterhaufen seines Opfers erwischt wird. Genau das stellen die Äußerungen und das Verhalten von Aung San Suu Kyi dar.

Ich habe in einem anderen Zusammenhang ja schon mal erwähnt, dass man eine Verfassung ändern kann. Da sollte eine Satzung erst recht änderbar sein.

Nochmal zur Geberkonferenz:

Die Bundesregierung versprach laut UN-Koordinationsstelle für Nothilfe bislang 2,5 Millionen Euro, zahlte aber erst weniger als eine halbe Millionen Euro. Bei der Geberkonferenz kamen von der Bundesregierung Neuzusagen in Höhe von 0 Euro.

Die EU hat 30 Millionen Euro zugesagt. Zur Erinnerung: die Flüchtlingshilfe an die Türkei beträgt 3 Milliarden Euro, also 100-mal so viel. Aber damals kamen die Flüchtlinge ja auch in Europa an.

Bangladesch ist weit weg. Da scheint die Menschlichkeit nach dem Motto „aus dem Auge aus dem Sinn“ zu funktionieren.

Insgesamt sind 340 Millionen Dollar zusammengekommen. Benötigt werden bis Februar 2018 434 Millionen. Warum? Darum:

Spendenkonten

Aktionsbündnis Katastrophenhilfe
Spendenkonto:
Commerzbank
IBAN: DE65 100 400 600 100 400 600
BIC: COBADEFFXXX
Stichwort: Nothilfe Rohingya
Online-Spenden: aktionsbuendnis-katastrophenhilfe.de/jetzt-spenden/

Im Aktionsbündnis Katastrophenhilfe haben sich Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophenhilfe und UNICEF Deutschland zusammengeschlossen.

Ärzte der Welt e.V.
Spendenkonto
Deutsche Kreditbank
IBAN: DE061203 0000 1004 333660
BIC: BYLADEM1001
Stichwort: Nothilfe Rohingya
Online-Spenden: aerztederwelt.org/spenden

Quellen und Artikel zum Thema:

2 Kommentare

  1. Ich habe dem an sich nichts hinzuzufügen, wollte aber kurz darauf hinweisen, dass es z.B. bei Ärzte Ohne Grenzen auch möglich ist eine Spendenmitgliedschaft einzugehen und jeden Monat ein paar Euro in wirklich wichtige Arbeit in sämtlichen Flüchtlingscamps dieser Welt fließen zu lassen.
    Ich erzähle das immer – und ich predige nicht nur Wasser, ich bin selber Spendenmitglied – weil mir oft die Reaktion begegnet „ja aber es gibt ja immer irgendwo auf der Welt eine Katastrophe und ich hab nicht jeden Monat 20€ rumliegen“. Es ist sicher richtig, dass immer überall Menschen Hilfe brauchen, aber gerade deswegen finde ich es gut, dass es Organisationen gibt, die sich global engagieren und dann muss man auch keine hunderte von Euro locker machen im Jahr. Jedes bisschen hilft.
    Ich habe mal irgendwo gelesen, dass wenn jeder Mensch in Arbeit 1% seines Nettolohns spensen würde, es keine Spendenaufrufe mehr geben müsste. Ich fand das eine einfache Rechnung und halte es seitdem so.
    Das Portal http://www.dzi.de/ bietet dazu im übrigen eine Plattform an, auf der man seine Spendenorganisationen durchleuchten kann, es gibt ja nicht nur seriöse Aufrufe auf dieser Welt. 🙂

Kommentar verfassen