Von Frauen und Neonazis

Vor kurzem erregte die Wahl des stellvertretenden Landesvorsitzenden der hessischen NPD, Stefan Jagsch, zum Ortsvorsteher des Ortsteils Waldsiedlung der hessischen Gemeinde Altenstadt Aufsehen.

Der Rechtsradikale Jagsch erhielt bei der Wahl 7 von 9 Stimmen des Ortsvorstands und vertritt nun die Interessen von 2.500 Bürgern. Die zwei fehlenden Stimmen sind auf Abwesenheit zurückzuführen. Unter den answesenden Mitgliedern stimmten alle, auch die Vertreter von CDU, SPD und FDP für den Neonazi.

Ein Vertreter der CDU, der den NPD-Mann gewählt hat, erklärte die Wahl wie folgt: “Da wir keinen anderen haben – vor allem keinen Jüngeren, der sich mit Computern auskennt, der Mails verschicken kann.”

Ähnlich äußerte sich der örtliche SPD-Vorsitzende: “In Ermangelung einer Alternative, wie mir Sitzungsteilnehmer berichteten, wählten alle anderen Vertreter der anderen Parteien ihn zum Vorsteher.

Jetzt ist die Aufregung natürlich groß. Man kooperiere nicht mit Nazis, heißt es von der SPD. Die Wahl sei nicht hinnehmbar und müsse korrigiert werden, heißt es von der CDU.

So geht das also. Wenn es keinen geeigneten Kandidaten gibt, muss in der Politik anscheinend zur Not ein Neonazi her. Und wenn es in der katholischen Kirche keine geeigneten Männer gibt, muss zur Not eine Frau her.

Einen Tag, nachdem über den von Demokraten gewählten Neonazi berichtet wurde, erschien auf Spiegel Online auch ein Interview mit Bärbel Bloching, die als Pfarrbeauftragte eine der über 10.000 katholischen Pfarreien in Deutschland leitet. Sie ist damit eine von aktuell nur drei Frauen in dieser Position. Im Dezember soll noch eine Vierte hinzukommen.

Möglich wurde ihre Berufung durch einen Personalnotstand. Der letzte Pfarrer wechselte die Gemeinde, man fand keinen Nachfolger und es drohte die Zusammenlegung mit einer anderen Gemeinde mit einem ohnehin schon riesigen Gebiet. Der Kirchengemeinderat hat sich dagegen gewehrt und wollte zur Not lieber auf einen Pfarrer verzichten. Die Möglichkeit von (auch weiblichen) Pfarrbeauftragtten schafft Paragraf 517.2 des Kirchenrechts, der aber kaum angewandt wird. Erfreulicherweise war der Bischof einverstanden. Frau Bloching wurde berufen.

Sie darf zwar Seelsorge betreiben, aber nicht die Sakramente spenden, zum Beispiel Taufe, Beichte, Kommunionen oder Heirat. Sie ist zwar unterschriftsberechtigt und verantwortlich für das Personal und hat das Hausrecht in der Kirche und den Gemeindezentren und verwaltet den Etat. Aber nur in Absprache mit einem leitenden Pfarrer.

Hier ein NPD-Ortsvorsteher mit allen Rechten und Pflichten, die dazu gehören. Dort eine weibliche Pfarrbeauftragte mit allen Pflichten aber nicht mit allen Rechten, die dazu gehören.

Politiker einer verfassungsfeindlichen Partei, die von Vertretern demokratischer Parteien in eine leitenden Funktion gewählt werden, sollte es wirklich nicht geben.

Frauen, die immerhin 50 Prozent der Gläubigen stellen, sollte es längst in leitender Funktion in der Kirche geben.

Die beiden Geschichten auf Spiegel Online zeigen, wie jämmerlich Frauen auch heute noch in der katholischen Kirche behandelt werden. Das ist – eigentlich – nicht hinnehmbar und müsste dringend korrigiert werden.

Die katholische Kirche wird natürlich trotzdem so weitermachen wie bisher. Wenigstens kann man hoffen, dass sie dadurch mittelfristig in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Quellen und Artikel zum Thema:

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