Warum die religiöse Rechte Trump unterstützt. Egal wie unchristlich er sich verhält.

Die sieben christlichen Todsünden sind:

  • 1. Superbia = Hochmut (Stolz, Eitelkeit, Übermut)
  • 2. Avaritia = Geiz (Habgier)
  • 3. Luxuria = Wollust (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren)
  • 4. Ira = Jähzorn (Wut, Rachsucht)
  • 5. Gula = Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht)
  • 6. Invidia = Neid (Eifersucht, Missgunst)
  • 7. Acedia = Faulheit (Feigheit, Ignoranz, Trägheit des Herzens)

Vermutlich muss man da bei Trump ein paar Abstriche machen. Faulheit kann man ihm eigentlich nicht vorwerfen. Für den Rest des Kataloges finden sich aber nicht eben wenige Belege in Trumps Vita und Verhalten.

Liebe deinen Nächsten? Fehlanzeige.
Christliches Mitgefühl? Fehlanzeige.

Würde Trump Segnungen verkünden, dürften Sie etwa so lauten:

  • Selig sind die Sieger: denn ihnen gehört das Reich der Erde.
  • Selig sind die Gesunden: denn sie zahlen niedrigere Prämien.
  • Selig sind die Reichen; denn sie werden erben, was von der Erde übriggeblieben ist, steuerfrei.
  • Selig sind, die hungern und dürsten nach Öl und Kohle; denn sie werden satt werden.
  • Selig sind die, die erbarmungslos sind; denn sie sind so, so stark.
  • Selig sind die Lügner, denn sie werden damit davonkommen.
  • Selig sind die Kriegerischen, denn sie werden sehr, sehr klug genannt werden.
  • Selig sind die, die dich unterstützen, egal wer du bist; denn Ihnen gehört das Wahlmänner-Gremium.
  • Selig seid ihr, wenn andere euch verunglimpfen und euch untersuchen und alle möglichen falschen Nachrichten über euch verkünden. Freuet euch und seid froh, denn die Presse stirbt.

In einem Interview mit CNN während des Vorwahlkampfs sagte Trump auf dein Verhältnis zu Beichte und Vergebung angesprochen „Warum muss ich Buße tun oder um Vergebung bitten, wenn ich keine Fehler mache?“. Außerdem machte er sich über die Heilige Kommunion lustig: „Ich trinke den Wein, ich esse den Keks.“

Seine „spirituelle Beraterin“ ist die (wie Trump aktuell zum dritten Mal verheiratete) amerikanische Fernseh-Predigerin Paula Michelle White. Paula White wirbt im Fernsehen mit dem Versprechen um Spenden, dass Gott die Spender reich machen wird. Sie ist eine Vertreterin der Erfolgstheologie bzw. des Wohlstandsevangeliums, einer theologische Auffassung nach der Wohlstand, vor allem Geldvermögen und geschäftlicher wie persönlicher Erfolg, der sichtbare Beweis für Gottes Gunst sind. Klar, dass das einem Milliardär gefällt.

Von Kamelen und Nadelöhren scheint die Frau jedenfalls noch nichts gehört zu haben. Wobei es sich dabei übrigens um einen Übersetzungsfehler handelt – eigentlich geht es in der Bibelstelle nicht um kámêlos (dt.: „Kamel“, „Karawane“), sondern (kamilos, dt.: „Schiffstau“, „Seil“). Aber auch ein Schiffstau passt ja nicht ohne weiteres durch ein Nadelöhr.

Trotzdem hat Trump die Unterstützung der religiösen Rechten in den USA. Wie kann das sein?

Trump braucht die Unterstützung der religiösen Rechten und bezahlt dafür, indem er eine christlich-konservative Agenda unterstützt und vor allem, indem er die Justiz in Ihrem Sinne beeinflusst.

Pastor Robert Jeffress, ein weiterer religiöser Vertrauter des Präsidenten erklärte das im Interview mit dem Spiegel wie folgt:

„Die Wahl von Donald Trump gibt uns Christen Hoffnung, weil er sich für christliche Werte einsetzt. (…)Ganz wichtig: Trump hat Neil Gorsuch zum Richter am Obersten Gerichtshof, dem Supreme Court, ernannt. Der Hauptgrund, warum evangelikale Christen Donald Trump in der Wahl unterstützt haben, war sein Versprechen, für die Einsetzung neuer konservativer Richter zu sorgen. Wir Christen wissen, dass die Themen, die uns wichtig sind, wie Religionsfreiheit oder der Schutz des Lebens, letztlich in den Gerichten entschieden werden. Trump hält sich an sein Versprechen, indem er konservative Richter ernennt, am Supreme Court in Washington, aber auch an Bundesgerichten im ganzen Land.“ (Quelle: Spiegel Online)

Tatsächlich waren es Richter, die wichtige Präsidentendekrete von Trump, wie den „Muslim Travel Ban“ zunächst gestoppt haben.

Bürgerrechte werden (nicht nur in den USA, sondern auch in Europa) sehr oft in Gerichten erstritten oder auch verworfen. Ob Abtreibung oder Ehe für alle, in vielen Politikbereichen hat das Oberste Gericht das letzte Wort.

Als in den USA die Sklaverei abgeschafft wurde, verabschiedeten die Bundesstaaten, in denen es vormals Sklaverei gegeben hatte, Gesetze, die die Rassentrennung und -diskriminierung im täglichen Leben rechtlich zementierten (sogenannte „Jim Crow Gesetze“, benannt nach „Jim, der Krähe“, einem von weißen Komikern des 19. Jahrhunderts erfunden afroamerikanischen Stereotyp). In Entscheidungen des Obersten Gerichts von 1883 und 1896 wurden diese diskriminierenden Gesetze verteidigt. Ihre Abschaffung begann mit einer Entscheidung des Obersten Gerichts von 1954 und wurde mit dem Bürgerrechtsgesetz von 1964 vollendet.

Am 13. September hat das Oberste Gericht der USA entschieden wesentliche Teile des Einreiseverbots aus muslimischen Ländern aufrecht zu erhalten.

Pastor Robert Jeffress hat Trump ermutigt eine Mauer nach Mexiko zu bauen:

„Es steht so in der Bibel geschrieben: Die Regierung hat die Pflicht, die Bürger zu schützen. Am Tag seiner Amtseinführung habe ich in meiner Predigt das Beispiel von Nehemia angeführt. Er war ein Geschäftsmann und wurde von Gott beauftragt, Israel wiederaufzubauen. Ich habe Trump gesagt: Nehemia errichtete eine Mauer um Jerusalem, um seine Bewohner zu schützen. Gott ist nicht gegen den Bau von Mauern.“ (Quelle: Spiegel Online)

Außerdem hat er Donald Trump bescheinigt, dass Gott ihm die Autorität gegeben habe, Kim Jong Un zu stürzen oder auch zu töten:

„In der Bibel steht im Kapitel Römer 13, dass Gott Regierungen die Verantwortung dafür erteilt, an jenen Rache zu üben, die teuflische Taten begehen. Deshalb hat Gott der Regierung auch das Recht gegeben, das Leben der Übeltäter zu nehmen, entweder durch die Todesstrafe oder durch Krieg, wenn es denn so etwas wie einen gerechten Krieg gibt.“ (Quelle: Spiegel Online)

Auf bestimmte charakterliche „Schwächen“ des Präsidenten angesprochen meinte Jeffress:

„Als die Menschen für Präsident Trump gestimmt haben, wussten sie genau, was sie bekommen würden. Ich glaube, dass Menschen seinen Ansatz erfrischend finden. Nicht alle Menschen, aber viele.“ (Quelle: Spiegel Online)

Aha.

Was für eine erfrischende Verteidigung christlicher Werte!

Und weil eine Hand die andere wäscht, wundert es kaum, dass das neu herausgebrachte Buch von Pastor Jeffress von Trump über Twitter empfohlen wird. „Großartiges Buch gerade veröffentlicht, ‚Ein Ort namens Himmel‘ von Dr. Robert Jeffress – ein wundervoller Mann!“

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Ein Kommentar

  1. Der Artikel ist der Hammer! Die Segnungen sind genial, skurril und doch voll aus dem Leben. Die Bigotterie vom Pastor kaum zu übertreffen. Ganz großartiger Blog!

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